Ja ja

Adlucar Silcun

Ja ja, nun bin ich hier...

Was? Du willst wissen warum und wie es dazu kam? Nein, das ist nicht wichtig. Was du bestehst darauf??? OK. OK. Aber pack den Degen wieder weg... Ich fang ja schon an.

Nun mein Name ist Adlucar von Silcun. Heute nur noch Adlucar. Ich wurde als Sohn eines Landadligen in der Nähe des schönen Flusses Saône weit westlich von hier geboren. Zwar waren meine Eltern nicht so reich wie die richtig großen Häuser aber wir waren bei weitem nicht arm. So weit so gut, eigentlich könnte ich ein schönes Leben haben, wenn da nicht dieser kleine dumme Familienbrauch gewesen wäre.

In unserer Familie ist es nämlich so, dass man mit 16 Jahren bis zu seinem 21. Lebensjahr von zuhause zu verschwinden hat und von der Schule des Lebens zu lernen hat. Mein Vater bestand darauf, denn er sagte immer, dass er dort seine beste Zeit erlebt hatte. Und so höre ich ihn heute noch sagen:

„Sohn, ich habe mir sogar in einer großen Schlacht eine schwere Beinverletzung zugezogen."

Nun, ich denke er ist einfach nur vom Pferd gefallen. Aber gut. Wie es bei uns üblich war, so musste auch ich mit 16 los. Ich durfte mir noch jemanden unseren Gefolges aussuchen und dann ging’s los.

Weit kam ich aber nicht. Bis zur nächsten Herberge. Dort betrank sich mein Mitbringsel (den ich bis dato noch Begleiter nannte) bis zum Exzess und flog Strunzbesoffen die Treppe runter. Hüfte gebrochen und das war’s für ihn mit der großen Wanderlust. Ob er das absichtlich gemacht hat? So nervig war ich doch gar nicht.

Tja, da musste ich wohl alleine weiter und erreichte nach einigen Tagen die nächstgrößere Stadt. Per Gesetz ließ der König verkünden, dass die alten Blut- und Moossteine in Gold- und Silbermünzen getauscht werden müssen. Doch bevor die erste Ladung Gold ankam, erfuhren wir, dass die Kutsch überfallen wurde und das Gold geraubt wurde. Daraufhin riefen sie alle Abenteuerlustigen auf um die Schatztruhe zu bergen. Meine erste Prüfung, mein erstes großes Abenteuer. Mann, war ich aufgeregt. Angeführt wurden wir von 2 edlen Rittern in glänzenden Rüstungen, so wie ich es mir immer vorgestellt hatte. 40 Mann waren wir an der Zahl und brachen auf um nicht nur das Geld, sondern auch Ruhm und Ehre einzuheimsen. Und als wir endlich auf die Übeltäter trafen zog ich mein Schwert. Ich wusste genau was zu tun war. Ich würde diesen Rattenmenschen den Kopf mit einem gewaltigen Hieb abschlagen und wenn schon nicht die Köpfe, dann doch zumindest die Schwänze. Ich bildete mir förmlich ein zu spüren wie die Erde bebte, als die gigantische Armee von mindestens 20 Scavens auf uns zukam. Und dann donnerte die Stimme der Ritter wie ein Damoklesschwert über unsere Köpfe hinweg:

„LAUFT!!!!! LAUFT UM EUER LEBEN!!!!" Ja, tolle Ritter waren das. Von wegen Hüter der Gerechtigkeit. Haben das Schwert weggeworfen und sind gelaufen wie die Hunde. Was mich betrifft, mir haben die Beine vom Rennen noch nie so weh getan. Irgendwie haben wir es dann doch noch geschafft das Gold wieder zu bekommen. Wenn ich heute daran denke, dann habe ich gleich wieder Lust auf eine Flasche Mett.

Möchtest du mir nicht eine Flasche ausgeben? Nein? Gut dann weiter.... Aber bitte nimm doch den Degen wieder von meinem Hals....

Danach traf ich auf eine Söldnertruppe. Vom Blute des Bären. Eine große Gruppe gut ausgerüsteter und gut ausgebildeter Krieger. Ich bat sofort den Headman darum aufgenommen zu werden.

„So, so du willst mit uns reisen? Haha, dann kannst du wohl kämpfen, die große Streitaxt schwingen."

„Öhhh, nein!"

„Noch besser, dann kannst du aber zaubern!!!!!!!!! Ganze Reihen mit Feuerbällen einäschern!!!!!!!!!"

„Ähäm, auch nicht."

„Dann kannst du bestimmt wichtige Tränke für uns braun und unsere wunden heilen!"

„Habe ich ehrlich gesagt noch nicht probiert."

„Verflucht noch mal, du Abschaum, was willst du dann überhaupt hier?"

„Ich kann kochen!"

-Richtig kochen habe ich eigentlich nicht gelernt. Gut, gut, ich bin oft runter zu den jungen Küchenmägden um dort..... *hüstel* lassen wir das....

Aber ich bin mir sicher vom Zuschauen habe ich sicher auch viel über das...... kochen gelernt zu haben. -

Tränen liefen dem Hauptmann runter: „Ein Glück, ein Koch. Unser Eismagus hat es nie geschafft uns ein warmes Essen zu bereiten. Ohh mein Gott warmes Essen!!!!!!!!"

Und so zog ich mit ihnen in meine erste große Schlacht. Die in die Geschichte als die Tage der Finsternis einzog. Am Tage der großen Sonnenfinsternis, die damals über unsere Lande zog. Ja ja, eine große Schlacht.

Die vereinigten Königreiche belagerten uns. Die Zeit schien einfach nicht zu vergehen. Die Sekunden krochen dahin und dann nach geschlagenen 8, ja ich wiederhole ACHT!! Stunden gaben sie die Belagerung erdrückt von der Hitze der Sonne bei ca. 24° im Schatten auf; ohne einen einzigen Kampf gefochten zu haben. Sie waren so schnell weg, dass wir sie bei unserem anschließenden Ausfall nicht mal einholen konnten. Doch ich muss zugeben die Zeit der Belagerung war hart. Hinter den Pforten war es bei Bier und Bratwürsten soooo langweilig, du kannst es dir nicht vorstellen.

So nun aber genug.

Nicht????

OK.OK.OK. Ich setz mich ja schon wieder. Ähh der Degen??? ...danke, viel besser...

Leider wurde der Tross träge und müde. Sie waren zu sehr damit beschäftigt das leich... ähh meinte natürlich sehr schwer verdiente Gold in Bier und Frauen zu investieren und eine Geschäft namens B&B zu eröffnen. B&B steht übrigens für Bier und Bordelle. Sie hatten wahrlich keine Ambitionen mehr sich als Kampftruppe anheuern zu lassen. Und nach 6 Monaten wurde mir selbst dieses Paradies, gleich dem Garten Eden zu langweilig.

Ich wollte weiterreisen...

Nein ist so nicht wahr... lasst mich nochmals beginnen....

Nun es kam wie es kommen musste. Gerade hatte ich mich an meinen persönlichen Tagesrhythmus gewöhnt und hatte die ersten Muskeln vom vielen Bierkrugstemmen aufgebaut, geziert von einem liebreizenden Waschbärbauch, da wurde ich von meinem Hauptmann persönlich mit einer schwierigen Aufgabe betraut.

Ich sollte mittels eines Gespanns in die nächste große Stadt fahren um dort für die Aufstockung unserer Biervorräte zu sorgen. Also erhoben sich meine müden Knochen um die beschwerliche Reise aus dem Garten Eden anzutreten. Zwanzig Tage später war ich am Ziel. Ich beschloss es mir erst mal in einer Schenke gut gehen zu lassen und bestellte anschließend ein Zimmer. Des Nachts erwachte ich durch lauten Tumult auf der Straße. Auf den ersten Blick aus dem Fenster sah man schon das Flackern der Flammen, die auf den Hausdächern züngelten. Kampfeslärm und das Klirren von Stahl und Glas, welches sich mit dem Geschrei von Männern und Frauen vermischte, war zu hören. Der Geruch von Rauch und Blut brannte in meiner Nase. Obwohl ich im ersten Moment wie betäubt da stand und nicht wusste was ich tun sollte, hörte ich doch schwere stampfende Schritte die Treppe in der Schenke nach oben kommen. Also packte ich so viele meiner Sachen wie ich noch erwischen konnte und sprang in meiner Verzweiflung aus dem Fenster.

Ich rannte die Strasse ziellos entlang und kam, ohne es zu wollen in den Hafen. Dort sah ich ein langes Ruderboot. Darinnen befanden sich schon 11 bis an die Zähne bewaffnete und schwer gerüstete Männer. Ich sprang sofort in das Boot und hoffte, dass sie mich beschützen würden. Sofort brüllte der größte von ihnen: „Rudern!!!!" und ich legte mich ins Zeug wie noch nie. Nach einer Ewigkeit des Ruderns blickte ich zurück und die Stadt erinnerte nur noch an eine leuchtende Fackel, die einsam in der Dunkelheit leuchtete. Ich drehte mich zu meinem Rudernachbarn um und fragte:

„Wir gehen doch sicher in der nächsten großen Stadt an Land, oder?"

Der Typ gab ein Lachen von sich, das eher an ein Grunzen erinnerte:

„Ja ja, wieder an Land gehen! Hähä!"

Und so kam ich mit den Wikingern auf das Drachenfest.

Über 2000 Leute aus den verschiedensten Königreichen und Kulturen die sich für Ruhm in die Schlacht warfen. Mich erwarteten Belagerungen, Nachtangriffe, Geiselnahmen, Verrat und Betrug und noch vieles mehr.

Ja, hier habe ich es wohl gefunden. Das Leben.

Schön, dass mir mal jemand zuhört und sich für meine Geschichte interessiert. Ich werde noch schnell den Rest erzählen.

Ich blieb bei den Wikingern, die sich das Lager des großen Heeres nannten. Es war nicht schwer unter ihnen zu leben, da keiner fragte wer ich wirklich war. Und so lange man ein Schwert halten kann und in der Schlacht an ihrer Seite steht, scheint es ihnen egal zu sein. Nur die holde Swenja fragte einmal wer ich sei, aber sie vergaß es wohl noch in derselben Nacht wegen übermäßigen Met Genusses.

Da ich Swenja kannte stellte sie mich Hjassir Fjoreson, dem Headman des Roten Stieres vor, mit denen ich auch weiter reiste. Zu einem neuen Heereszug nach Mythodea. Wieder ein glorreicher Raubzug. Wir tricksten das Heer der Orks aus, in dem wir uns als Söldner ausgaben und die Tore in einem günstigen Augenblick öffneten. Wir überfielen die Lager der Allianz noch bevor der erste Hahn krähte. Nahmen Geiseln und genossen das absolut befriedigende Gefühl, wie das unbesiegbare Heer der Allianz an unseren Palisaden aufgerieben wurde, nachdem sich unsere Leute durch viel diplomatisches Geschick mit einem anderen Lager verbündet hatten. Ja, es war wahrlich die beste Zeit meines Lebens.

Aber in diesem Jahre werde ich schon 22. Und die Zeit des Reisens ist schon lange vorbei. Und nun sitze ich schon seit sieben Tagen in dieser Kneipe, nur 600 Schritte von meinem alten Zuhause entfernt und weiß immer noch nicht, ob ich wirklich heim gehen sollte. Ich habe zwei Möglichkeiten. Ein ungewisses Leben, dass ich jeden Tag erneut aufs Spiel setze, nur mit dem Ziel vor Augen irgendwann in einer brutalen Schlacht zu fallen, um dann mit Odin an einer Tafel zu speisen. Und nachts säuft man sich ins Delirium, um danach in die Arme eines Unbekannten zu fallen.

Oder ich kehre heim, übernehme das Land und den Besitz meines Vaters, heirate irgendwann mal eine Frau deren Name ich nicht kenne und die mir sicher nicht gefallen wird, aber bei der es heißt, sie sei eine gute Partie, und habe bis an mein Lebensende ein ruhiges, unbeschwertes, aber auch langweiliges Leben. Und wenn ich Glück habe wird mein Grabstein lange genug überdauern, dass irgendwann mal ein Schäfer meinen Namen stammeln kann.

Aber nun, wo ich mir alles noch mal durch den Kopf habe gehen lassen, bin ich zu einem Entschluss gekommen. Wenn ich an den Spaß denke, den ich bei ihnen hatte, und wenn ich daran denke, dass vielleicht irgendwann Skalden ein Heldenlied oder sogar eine Glorie über mich singen werden, bleibe ich bei den Wikingern. Ich werde mit dem Roten Stier nun zu der Stadt Dragodem reisen. Dort werden einige Söldner gesucht, um die dortigen Orks zu vertreiben.

Bevor ich mich nun auf den Weg mache, gebe ich dir noch eine Weisheit mit.

Diese Reise des Lebens hat sich nicht gelohnt. Irgendwie habe ich außer Saufen und Rumhuren nichts gelernt.

Ich werde nun gehen... Leb wohl...

 

 

Ohh, bevor ich es vergesse, hier hast du deinen Degen wieder......