Björn "die Zunge" Torbenson

Vorlaut, gerne fluchend, viel zu übermütig, selten nüchtern und oftmals sehr tollpatschig, all das mag sicherlich in der ein oder anderen Weise auf Björn zutreffen. Und so scheint es wenig verwunderlich, dass er es immer wieder zielsicher schafft, in Schwierigkeiten zu geraten.

Björn wuchs auf einem ansehnlichen Hof in Dänemark, nicht allzu weit entfernt von den grünen Hügeln Jellinges auf. Sein Vater, Thorben Erikson, machte sich schon früh auf Raubzügen gen Süden und zu den Angelsachsen hinüber einen Namen. Tatsächlich schaffte Thorben es lange genug zu überleben um ein gemachter Mann zu werden, setzte sich eines schönen Tages schließlich zur Ruhe und nahm sich Björns Mutter Gudrun zur Frau. Bevor jedoch Björn das Licht der Welt erblicken konnte, sollten drei andere ihm zuvorkommen, nämlich seine beiden Brüder Valgar und Kjetil, sowie seine Schwester Sigrun. Als jüngster von drei Brüdern und obendrein noch als kleinster und schmächtigster Teil der Familie musste er oft Prügel einstecken, demütigenderweise selbst von seiner Schwester. Während seine großen Brüder vom Vater immer wieder im Umgang mit Axt, Schwert und Schild unterrichtet wurden, war es vor allem die besorgte Mutter , welche Björn unter ihre Fittiche nahm und ihn im Haushalt mit anpacken ließ, wenn er nicht gerade auf die Tiere der Familie aufpassen musste. Für Übungen an den Waffen blieb ihm daher kaum Zeit, was in weiterer Prügel seitens seiner Brüder resultierte. Dennoch war Björn mit seinem Leben zufrieden gewesen und wäre vielleicht bis zum Ende seines Lebens auf dem Hof in Dänemark geblieben, wäre nicht kurz nach dem plötzlichen Tod seiner Mutter auch noch sein Vater eines harten Winters an einer schweren Lungenentzündung erkrankt und dieser nach langem Siechtum erlegen. So fand er statt an Allvaters Tafel nun wahrscheinlich doch in Hels hohen Hallen Einkehr. Gemäß der Tradition hätte Valgar, der ältere Bruder nun den Hof übernehmen und damit den größten Teil des Erbes erhalten sollen. Kjetil, der jüngere Bruder, war damit verständlicherweise unzufrieden, was schließlich darin endete, das Kjetil Valgar beim Holzsammeln hinterrücks mit der Axt erschlug. Den Leichnam von Valgar warf er in eine Felsspalte und erzählte allen, dass dieser im Schnee ausgerutscht und durch den Sturz zu Tode gekommen sei. Allerdings kam Björn schnell dahinter, dass die Geschichte seines Bruders so nicht stimmen konnte. Blutflecken im Schnee, dort wo der Mord geschehen war, sowie am Griff der Axt und auf der Tunika von Kjetil bestätigten seine Vermutung. In Björn schwelte daraufhin der böse Verdacht, dass auch er selbst den Brudermord zu fürchten hätte, wenn er nicht ganz schnell das Weite suchte – im Zweikampf war er Kjetil in keinem Fall gewachsen. So packte er hastig sein Hab und Gut zusammen, nahm das Schwert des Vaters, die Rüstung des Bruders, sowie einen Batzen Silber für den Weg und kehrte dem elterlichen Hof noch in der selben Nacht den Rücken.
Sein Weg führte ihn über Feld und Wiesen zunächst gen Süden, ehe er nach vielen Tagen der Reise, von denen er die letzten in Begleitung einer Reisegruppe aus Händlern verbrachte, schließlich in der großen Handelsstadt Haithabu ankam. Hier saß er nun, fern der Heimat, die Füße wund, einen Krug Ale in der Hand und wusste nicht genau, wie es nun weitergehen sollte. Doch sein nornengewebtes Schicksal schien ihm in diesem Moment zur Abwechslung einmal hold zu sein, als ein Fremder ihm ebenso fröhlich wie unverhofft zuprostete und ihn fragte, was er denn hier machen würde. Dieser Fremde stellte sich ihm als Sven Ranulfson vor, der in Haithabu nur einen kurzen Halt machen wollte um Vorräte für seine Sippe zu organisieren, mit der er auf dem Weg weiter gen Süden war um dort über den Sommer hinweg Ruhm und Silber zu mehren. Es entwickelte sich eine freundliche und bierseelige Diskussion, an deren Ende nicht nur ein großer Krug voll bestem Met geleert wurde, sondern Björn sich auch dazu entschloss, dem Banner des Roten Stieres ins Lande der Lesath zu folgen und unter dem Kommando des Hetmanns Hallbjörn Beglirson auf Beutezug zu gehen. Schließlich hatte er ohnehin nicht mehr viel zu verlieren...

Diese Ereignisse liegen nun schon mehrere Sommer zurück und Björn hat sich mittlerweile dem Stier fest angeschlossen. Darüber hinaus ist er als Knecht in die Dienste von Sven getreten und wohnt auf dessen Hof auf Fjoreholm. Zwar hat er sich immer noch geschworen, seinem Bruder eines Tages entgegen zu treten um den Namen seiner Familie wieder zu reinigen, doch ehe dieser Tag kommt hat er noch einiges an Erfahrungen und vor allem an Silber zu sammeln.
Seinen Beinamen „die Zunge“ hat sich Björn übrigens in den Südlanden auf einer Hochzeit der Walwyker verdient. Die Geschichte, wie er dort im Rahmen eines Wettstreits den Gastgeber Eidir beleidigte und im Gegenzug von diesem statt einem Sax zwischen die Rippen ein Horn voll gutem Met bekommen hat, ist ihm noch in lebhafter Erinnerung geblieben.