Frenja Einarsdottir

Mein Name ist Frenja Einarsdottir. Geboren wurde ich auf einem kleinen Hof in der Nähe von
Haithabu. Mein Vater Einar Olafson und meine Mutter Birna Agisdottir führten dort eine kleine
Schafzucht. Ich habe auch noch einen Bruder, Björn, er ist ein Jahr älter als ich.
Wir hatten nie viel Gold, aber es hat immer gut zum Überleben gereicht, wenn alle mit angepackt
haben. Von meiner Mutter habe ich gelernt, die Schafswolle zu verarbeiten, außerdem war sie als
Tochter eines Händlern des Lesens und Schreibens mächtig, auch das hat sie mir beigebracht, ich
kann es aber nicht so gut wie sie.
Mein Vater hat meinen Bruder und mich ab und zu mitgenommen, wenn er nach Haithabu
gefahren ist, um seine Waren zu verkaufen oder zu tauschen. Ich mochte diese Fahrten gern, in der
Stadt gab es so viele aufregende Dinge zu sehen.Ich war allerdings auch gern auf unserem Hof, habe mit meinem Bruder im Wald gespielt, mit
meiner Mutter am Feuer gesessen und Wolle gesponnen oder meinem Vater beim Füttern der
Tiere geholfen.

Frenja Nicht weit von unserem Hof lebte eine alte Frau in einer Hütte, sie hieß Visla, bei
ihr habe ich auch gern Zeit verbracht. Die Leute in der Gegend sagten unter sich, sie sei früher eine
angesehene Laeknir gewesen, aber im Alter etwas verrückt geworden.
Nun, für de meisten Menschen war es wohl befremdlich, dass sie in ihrer Hütte die Skelette
sie anhand dieser Knochen viel über die Funktion des Körpers lernen konnte. Sie wusste so viel darüber, wie man Pflanzen zur Heilung von Krankheiten und Wunden einsetzen kann, und konnte stundenlang Geschichten erzählen weil sie schon so viel erlebt hatte. Sie hat mir beigebracht, wie man Wunden säubert, näht und versorgt, und ich half ihr beim Sammeln von Kräutern. Auch über Runen und Götter habe ich viel von ihr gelernt. Als ich 12 war, wurde mein Vater krank und starb, Visla konnte ihm leider nicht helfen. Meine Mutter trauerte sehr, sie überlegte einige Zeit, den Hof zu verkaufen, aber sie entschied sich doch dagegen. Wir waren ja noch zu dritt und mein Bruder und ich waren alt genug, um bei vielen Arbeiten mit anzupacken, so kamen wir ganz gut über die Runden. Etwa 3 Jahre später lernte meine Mutter einen anderen Mann kennen, Bastian Eldurson, und er zog zu uns auf den Hof. Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass er mich nicht besonders mochte, auch wenn er mir nie irgendetwas getan hat. Er brachte meinem Bruder das kämpfen bei und ermutigte ihn, mit den Männern auf Südfahrt zu gehen. 
Mein Bruder, der sein Leben bisher fast nur auf unserem Hof verbracht hatte, folgte diesem Vorschlag mit Begeisterung. Meine Mutter war zunächst etwas zögerlich, aber als mein Bruder von seiner ersten Fahrt mit gar nicht so wenig Beute wiederkam, war sie einverstanden. Ich freute mich für ihn, aber ich vermisste ihn auch. Wir hatten unser gesamtes Leben zusammen verbracht,da war es merkwürdig, wenn er nicht da war. Ich fand es auch etwas anstrengend, dass Bastian ständig versuchte, einen Mann zum Heiraten für mich zu finden, ich hatte irgendwie das Gefühl, er wollte mich loswerden. Ich fing an, mir einen Spaß daraus zu machen, diese Männer zu vergraulen, und mit der Zeit wurde ich recht gut darin. Meine Mutter sagte immer zu ihm, er solle mich einfach in Ruhe lassen, ich würde eines Tages schon den Mann finden, den ich heiraten möchte In einem Jahr kam das Schiff, mit dem mein Bruder auf Südfahrt gegangen war, nicht zurück. Meine Mutter war untröstlich, schließlich war Björn der Erbe des Hofes. Ich wollte nach Haithabu gehen um herauszufinden, was mit dem Schiff passiert ist, aber Bastian erlaubte es nicht, er sagte, die Männer die auf Fahrt gingen wüssten worauf sie sich einließen und es könne immer passieren, dass sie nicht wieder nach Hause kommen und ich solle die Sache auf sich beruhen lassen. In dem Sommer danach war meine Mutter schwanger von Bastian. Sie war nicht mehr die Jüngste und es ging ihr de meiste Zeit nicht gut. Ich kümmerte mich um sie und versuchte, ihr so viel Arbeit wie möglich abzunehmen. Sie hat die Geburt meines Halbbruders Fagur nicht überlebt. Visla tat auch hier trotz ihres Alters was sie konnte, aber das Baby lag verkehrt herum und das war zu viel für die Gesundheit meiner Mutter. Fagur war ein schwaches Baby, aber er hat überlebt und Bastian war selig, dass er einen Stammhalter hatte. Zu zweit mit einem Baby war es nicht leicht, den Hof zu bewirtschaften, denn Bastian war nicht so ein begabter Schafzüchter wie mein Vater und hatte auch nicht so viel Ahnung vom Geschäft, wie meine Mutter. Wir mussten einen Teil der Schafe verkaufen, aber es reichte weiterhin zum Überleben. Bastian war mit mir allerdings nie zufrieden, mein essen schmeckte ihm nicht, im Haus war es zu schmutzig, meine Wolle nicht gut gesponnen und so weiter. Ich konnte ihm nichts recht machen, zumal ich auch immer noch keinen Mann zum heiraten gefunden hatte. So ging es einige Jahre mehr schlecht als recht. Eines Abends belauschte ich ein Gespräch zwischen ihm und einem Freund, dem er erzählte, wie es ihn störte, dass ich immer noch auf dem Hof leben würde und dass er vorhätte, mich als Sklavin zu verkaufen. Ich verlor keine Zeit, packte das nötigste meiner Sachen zusammen, schlich mich aus der Hütte und verließ den Hof für immer. Nie wollte ich zu diesem Mann zurück, der ein wirklich schlechter Ersatzvater für mich gewesen war Ich ging nach Haithabu und bekam dort eine Anstellung in einer Taverne. Der Wirt war ein netter Mann, ich konnte mir ein Zimmer über dem Schankraum mit einer anderen Schankmaid teilen. Es kamen Gäste von überall her, sie hatten viel zu erzählen und freuten sich, wenn jemand zuhörte. Ich ließ mir gern von ihren Abenteuern erzählen, weil ich immer die Hoffnung hatte, etwas von meinem Bruder zu erfahren, denn ich weigerte mich zu glauben, dass er tot sein sollte. An einem Abend hatte ich Glück, ich unterhielt mich mit einem Mann, der mit meinem Bruder zusammen auf der Fahrt war, allerdings auf einem anderen Schiff. Von ihm erfuhr ich, dass das Schiff meines Bruders auf dem Rückweg kurz nach dem Start Probleme mit dem Ruder bekam und wieder dass die Männer weit im Süden an Land gegangen waren. Am selben Abend erfuhr ich allerdings auch, das Bastian auf der Suche nach mir war. Er war der Meinung, ich würde ihm gehören, und hätte kein Recht einfach wegzulaufen. Das Letzte, was ich wollte war, dass dieser Mann mich findet, also musste ich her aus der Gegend weg. Ich beschloss, mich auf den Weg zu machen, um nach meinem Bruder zu suchen. Ich packte meine Habseligkeiten zusammen und wanderte Richtung Süden, um mir dort Arbeit zu suchen und mehr herauszufinden. Als es langsam kälter wurde hatte ich Glück, und bekam eine Überfahrt zu der Insel Fjoreholm. Ich hatte noch nie von dieser Insel gehört, aber immerhin lag sie im Süden. Dort lernte ich Hallbjôrn Beglirson, Hetmann des Roten Stiers und Herr der Insel kennen. Stammelnd erzählte ich ihm meine Geschichte und da er Hilfe brauchen konnte um das in einem Mond stattfindende Allthing des Großen Heeres vorzubereiten, bot er mir an, als Magd auf seiner Burg zu bleiben. Dieses Angebot nahm ich dankend an. Anfangs war ich etwas verschüchtert, noch nie zuvor war ich auf einer Burg gewesen und auch vor meinem neuen Herrn hatte ich ein wenig Angst, schließlich war er ein mächtiger Mann. Aber ich verstand mich gut mit Albe, Hallbjôrns Sklavin, mit der ich oft zusammen arbeitete. Da auch Hallbjôrn stets freundlich zu mir war, begann ich mich auf der Burg zunehmend wohl zu fühlen und mich auf das Thing zu freuen.